das sind doch die Dinger mit den Lochkarten...

    Entscheidungen zum Broterwerb fallen manchmal schwer, speziell, wenn das Konto sehr leergeräumt und die hungrigen Kinderlein hohlwangig und anklagend am Gitterbettchen mit ihren leeren Näpfchen klappern. (= Die KFZ-Steuer für's Motorrad wird fällig und das Aldi-Sortiment war auch schon mal aufregender..). "Also Frollein, ich trinke meinen Kaffee am liebsten schwarz ohne Zucker..." - Entgeisterter Blick meinerseits, jedoch geschickt kaschiert durch einen mittelschweren Hustenanfall (schließlich handelte es sich hier um ein Vorstellungsgespräch, von dem einige Kontobewegungen abhängen konnten..). Dieser so vielversprechende Start ins Berufsleben setzte sich fort mit dem Erwerb einiger Erfahrungen, speziell im Umgang mit Haustechnikingenieuren:

Natürlicher Lebensraum

Büro. Schreibtisch Nase an Nase mit der Sekretärin, die sofort alarmiert aufhorcht, wenn der Chef etwas zu sagen hat:
  • schönes Wetter heute (Vorsicht! Einleitung zu bedrohlich langen Monologen)
  • trockene Luft hier drin, da könnte man glatt einen Kaffee vertragen
    (so tun, als hätte man nichts gehört, oder betont laut schürfend aus der eigenen Tasse trinken)
  • wo hab’ ich denn nur wieder ....
    (da diese Frage pro Tag mindestens 10mal gestellt wird: ignorieren, ignorieren und nochmals ignorieren...)

Lieblingsbeschäftigungen

  1. Telefonieren (laut und lange) mit jedem zu jeder Zeit (der Glöckner von Notre-Dame? - her damit!).
  2. Kleine, karierte Zettel mit unleserlichen winzigen Zahlen beschriften, denen nicht nachvollziehbare Berechnungen zugrunde liegen und von der Sekretärin in Excel "abschreiben" lassen.

Humor

Sehr kleines Repertoire an Witzen aus den fünfziger bis sechziger Jahren, die aber immer wieder gern erzählt werden, da die Sekretärin natürliches ein w(b)illiges Opfer ist.

Speis und Trank

Schwarzer Kaffee (jede Tasse einzeln von der Sekretärin abgefordert) und Schokolade (geschickt versteckt zwischen Originalverträgen und benutzten Taschentüchern). Bei Gelegenheit (und die wird regelmäßig erfreut ergriffen) Spaghetti beim Arbeitsessen mit der Sekreärin, die diese Momente haßt, da jede sinnvolle Unterhaltung wegen der durch Loriot hinlänglich bekannten "wandernden Nudel auf der Oberlippe" sofort unterbunden wird ("Sie haben da.....Sagen Sie jetzt nichts!.... Aber Sie haben da.....usw..").

Kleidung

  • Montag: weißes Hemd mit gelbem Pullunder
  • Dienstag: weißes Hemd mit roten Tupfen (Spaghetti!) und gelbem Pullunder
  • Mittwoch: zerknittertes Hemd mit bekleckertem Pullunder (gelb)
  • Donnerstag: zerknittertes Hemd mit gelblichem Kragen und ohne Pullunder (Waschtag)
  • Freitag:gelbes Hemd mit sehr engem Pullunder (zusammen mit 60° gewaschen...)

Textverarbeitung

Wichtigste Utensilien: Schere, Uhu, Lineal, Tipp-ex (!!!). Man nehme eine Veröffentlichung mit dem spannenden Thema "Auf Du und Du mit der Haustechnik, Quelluft für jedermann", schneide mangels Scanners ("Bittmäpp - ist das was zu essen?") ein vergilbtes Foto des Verfassers heraus und klebe es in den neuen, genauso spannenden Text. Nun schneide man ebenfalls ein Diagramm (1954 noch liebevoll per Hand gezeichnet) heraus, klebe es auf und ziehe mit dem Lineal einige neue Linien, um neue Ergebnisse "einzuarbeiten". Als krönenden Abschluß nehme man das Tipp-Ex und zeichne sorgfältig die Kleberänder nach, um beim Fotokopieren dunkle Streifen zu vermeiden. Fertig!

Arbeitsklima

Verstimmungen der Sekretärin, die im Gegensatz zu ihrem Chef auch ein Privatleben hat, hervorgerufen durch "kleine" Bitten gegen 19:30 Uhr (so eine kleine technische Übersetzung von 100 Seiten, ein paar Kopien....) versucht der Chef durch das Verfüttern von Pralinen, Schokolade etc. auszugleichen, bzw. durch das Mitbringen von Blumensträußen, die dann alle anderen Kollegen 10 mal im Monat Geburtstag, Hochzeit oder noch Schlimmeres vermuten lassen.

Raumtemperatur

Auf Fragen des verschwitzten Chefs, warum die Sekretärin auch bei Minusgraden grundsätzlich mit weit geöffnetem Fenster arbeitet, gibt sie aus taktischen Gründen nur sehr ausweichende Antworten und hofft auf eigene Erkenntnis des Chefs, die jedoch nie eintritt.

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©Heike Fischer, 30.10.98